Ich will hier auch ein paar Worte zu Schizophrenie verlieren, oder genauer zur paranoiden Schizophrenie, denn nur mit der habe ich Erfahrung. Im Referendariat einige Monate vor meinem zweiten juristischen Staatsexamen begann bei mir die Erkrankung. Ich war damals 27Jahre alt und bis etwa zu meinem 37sten Lebensjahr hat die Krankheit mein Leben fest im Griff gehabt. Schizophrenie ist eine verstörende, befremdliche und für viele auch Angst einflößende Krankheit. Ich kann diese Gefühle verstehen, denn ich stand der Schizophrenie genauso gegenüber bevor ich selbst betroffen war. Während mit andere psychische Erkrankungen mittlerweile immer offener umgegangen wird, ist Schizophrenie leider immer noch stigmatisiert und wird gerne tot geschwiegen. Dabei sind von der Erkrankung circa 1% der Weltbevölkerung in allen Kulturen und Gesellschaftsformen betroffen.
Es gibt viele Mythen und Vorurteile zur Schizophrenie. Schizophrenie hat zunächst einmal nichts mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun. Schizophrenie ist auch nicht unheilbar, wie viele behaupten oder glauben. Letztlich ist es eine Stoffwechselerkrankung im  Gehirn. Gewisse Botenstoffe, hier insbesondere das Dopamin werden an machen Stellen des Gehirns zu stark an anderen zu schwach weitergeleitet. Es gibt eine genetische Disposition zur Schizophrenie. Nach neueren Studien vermutet man, dass bei der Erkrankung mindestens acht verschiedene Gene beteiligt sind, also wesentlich komplexer als bei der Bluterkrankheit oder Trisomie 21. Daher glauben auch manche Wissenschaftler heute, dass Schizophrenie eigentlich ein Sammelbegriff für mehrere verschiedene Krankheiten ist. Außer der genetischen Disposition müssen immer noch andere Auslöser hinzutreten, damit die Krankheit ausbricht. Mittlerweile deuten einige Studien daraufhin, dass auch frühkindliche Infektionserkrankungen eine Rolle spielen. Auslöser oder Trigger für die Schizophrenie meist im frühen Erwachsenenalter können Stress, emotional belastende Ereignisse oder wie bei mir Cannabiskonsum sein. Um für mich zu sprechen, es reichte ein sehr geringer vereinzelter Konsum. 
Wie aber genau äußert sich die Erkrankung?
Paranoide Schizophrenie verläuft fast immer in Schüben. Während eines psychotischen Schubs können all die spektakulären Symptome auftreten, die einen Vorzeigeirren ausmachen. Zunächst tritt meist eine Wahrnehmungsverschiebung mit Beziehungsideen auf. Es scheint dem Betroffenen, als haben alle Blicke von anderen Menschen, alle gesprochenen oder geschriebenen Worte, verschiedenste noch so entlegene Ereignisse mit ihm selbst zu tun. Es entwickeln sich oft immer stärkere Wahnideen. Verfolgungswahn, Größenwahn, und vieles mehr. Meistens ist dies für Außenstehende völlig absurd, für den Betroffenen ist es eine feststehende Realität. Hinzu kommen oft Halluzinationen, die Betroffenen hören Stimmen oder eher seltener sehen Personen, die real nicht da sind. Bei mir beides. Alle diese Symptome, die während eines Schubes auftreten, nennt man Positivsymptomatik. Diese lässt sich heute sehr gut mit Medikamenten behandeln. Wenn man Pech hat so wie ich, bleibt es allerdings nicht bei diesem Schub, sondern es setzt danach eine andere Phase der Erkrankung ein. Diese nennt man Negativsymptomatik. Sie ist in etwa vergleichbar mit einer schweren Depression, mit gewissen unterschieden. Lethargie, Emotions- und Teilnahmslosigkeit völlige Antriebslosigkeit und bleierne Schwere.
Diese Negativsymptomatik ist wesentlich schwieriger zu behandeln. Mich hat sie über 10 Jahre begleitet, psychotische Schübe hatte ich in der gesamten Zeit hingegen nur 4 oder 5, immer nur wenige Tage oder Wochen. Um es klar zu sagen, mein Krankheitsverlauf war sehr schwer und chronisch. So schwer verläuft die Krankheit meist nicht. Eigentlich hatten mich in diesem schweren Fall auch die meisten Ärzte und Therapeuten aufgegeben. Und das obwohl ich krank mein Staatsexamen geschrieben, über Jahre als Rechtsanwalt gearbeitet, und einen Master in Betriebswirtschaft erlangt habe. Irgendwann konnte ich nicht mehr, und irgendwann ist auch meine Ehe daran zerbrochen. Trotzdem geht es mir heute seit über fünf Jahren sehr gut, und ich habe keinerlei Symptome mehr. Obwohl das vor einigen Jahren fast niemand für möglich gehalten hätte. Natürlich hatte ich auch viel Glück, und es war ein weiter und harter Weg zurück ins Leben, aber allen Betroffenen, Freunden und Angehörigen von Betroffenen möchte ich sagen, dass es immer Hoffnung gibt. Heute habe ich meinen Frieden mit der Erkrankung gemacht. Ich sehe sie als Erfahrung, an der ich gewachsen bin. Außerdem ist in dem ersten sehr langen Schub, als die Krankheit noch unerkannt und unbehandelt war mein Buch „Geistertanz: Wege der Freiheit“ entstanden, dass ich sehr mag.
Paranoide Schizophrenie spielt übrigens eine wichtige Rolle in dem neuen Buch „Rohdiamanten“, an dem ich gerade schreibe.